9. Oktober 2026
Zwischen Tradition und Bangen um die Zukunft

Am Sonntag, 11. Oktober 2026, wird die Steinmaurer Egg zum Treffpunkt der Schweizer Radquer-Familie. Das 65. Radquer Steinmaur, das älteste Radquerrennen der Schweiz, eröffnet die Saison des Swiss Cyclocross Cup. Im Zentrum stehen spannende Duelle um den Tagessieg – aber auch die Zukunft einer traditionsreichen Sportart, die in der Schweiz vor grossen Herausforderungen steht.

Text: Christian Rocha ¦ Photo: Jann Fretz

Wenn am kommenden Sonntag auf der Steinmaurer Egg die Startschüsse fallen, trifft in Steinmaur Tradition auf Spitzensport. Zum 65. Mal wird auf dem bewährten, traditionellen Kurs auf der Egg um Siege und wichtige Punkte gekämpft. Als Auftakt zur Rennserie Swiss Cyclocross Cup verspricht das älteste Radquerrennen der Schweiz einen hochklassigen Saisonstart mit namhaften Schweizer Spitzenfahrern und internationalen Herausforderern.

Hochkarätiger Dreikampf bei den Männern

Sportlich richtet sich der Blick bei den Männern insbesondere auf das Duell zwischen dem amtierenden Schweizer Meister Kevin Kuhn, dem Mountainbike-Aufsteiger der Saison Dario Lillo und Finn Treudler, der zuletzt das Radquer Illnau für sich entscheiden konnte. Die drei Schweizer versprechen einen offenen und hochklassigen Kampf um den Tagessieg.

Doch die Konkurrenz aus dem Ausland dürfte den Schweizer Favoriten das Leben schwer machen. Allen voran die Franzosen Rémi Lelandais, Théo Thomas und Romain Debord gehören zu jenen Fahrern, die den Ausgang des Rennens entscheidend beeinflussen könnten. Ein spannender Schlagabtausch ist damit programmiert.

Für eine zusätzliche Attraktion sorgt Fabian Lienhard. Der Tudor-Strassenprofi wagt nach einer langen Strassensaison, die ihn unter anderem an den Giro d’Italia führte, noch einen Abstecher ins Gelände. Für den Einheimischen ist das Rennen etwas Besonderes: Lienhard ist unmittelbar neben der Strecke aufgewachsen und kennt das Radquer in Steinmaur bestens. Sein Start dürfte deshalb nicht nur sportlich, sondern auch für das Publikum von besonderem Interesse sein.

Rebekka Estermann in der Favoritinnenrolle

Bei den Frauen geht die ehemalige Schweizer Meisterin Rebekka Estermann als Topfavoritin ins Rennen. Die Konkurrenz ist allerdings nicht zu unterschätzen. Die junge Französin Lison Déprez zählt ebenso zum erweiterten Favoritenkreis wie die Freiburgerin Lea Stern, die erst in der vergangenen Woche noch bei den Strassen-Europameisterschaften in Slowenien im Einsatz stand.

Über 300 Startende erwartet

Das Interesse am traditionsreichen Rennen ist gross: Aktuell stehen bereits 280 Fahrerinnen und Fahrer auf der Meldeliste. Da Nachmeldungen bis eine Stunde vor dem jeweiligen Start möglich sind, rechnen die Organisatoren mit deutlich über 300 Teilnehmenden.

Diese Zahl ist ein starkes Zeichen für die anhaltende Attraktivität des Radquersports. Gleichzeitig darf sie nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Disziplin in der Schweiz vor strukturellen Herausforderungen steht.

Zwischen grosser Tradition und ungewisser Zukunft

Der Schweizer Radquersport kämpft zunehmend mit einem Mangel an Veranstaltern. Mit lediglich fünf internationalen Rennen präsentiert sich der Kalender so dünn wie noch nie zuvor in der Geschichte. Besonders problematisch ist die lange Wettkampfpause im internationalen Bereich: Nach dem Radquer Hittnau Mitte November steht bis zu den Schweizer Meisterschaften in Dielsdorf Mitte Januar kein weiterer internationaler Wettkampf auf dem Schweizer Programm.

Diese Entwicklung steht in einem bemerkenswerten Gegensatz zur internationalen Bedeutung des Radquersports. Zahlreiche Talente schaffen über das Radquer den Sprung in andere Disziplinen und etablieren sich dort an der Weltspitze. Die Verbindung zwischen Radquer, Mountainbike und Strassenradsport zeigt, welches Potenzial in der Disziplin steckt.

In der Schweiz fehlt es derzeit jedoch an Bestrebungen, Radquer systematisch in die Talentförderung einzubinden. Viele Engagements beruhen auf Eigeninitiative. Gleichzeitig hat sich der Radsport in den vergangenen Jahren stark professionalisiert und die Spezialisierung setzt immer früher ein. In den Nachwuchskategorien fehlen deshalb zunehmend Fahrerinnen und Fahrer, die sich im Winterhalbjahr konsequent dem Radquer widmen.

Auch die lange gehegte Hoffnung, Radquer könnte eines Tages olympische Sportart werden, scheint sich zunehmend zu zerschlagen – auch wenn eine offizielle Kommunikation dazu noch aussteht. Eine Aufnahme ins olympische Programm hätte der Disziplin möglicherweise neue Perspektiven und einen entscheidenden Impuls für ihre Weiterentwicklung eröffnen können.

Steinmaur als Bekenntnis zum Radquer

Umso wichtiger sind Veranstaltungen wie das Radquer Steinmaur. Seit 65 Austragungen steht das Rennen für Kontinuität, Begeisterung und die Verwurzelung des Radquersports in der Schweiz. Eines ist sicher: In Steinmaurer ist die Begeisterung für das Radquer weiterhin spürbar. Die Herausforderung wird sein, diese Begeisterung auch in Zukunft in nachhaltige Strukturen, eine starke Nachwuchsförderung und einen lebendigen Rennkalender zu überführen.

Startlisten Swiss Cyclocross Cup #1 – Steinmaur
Tagesprogramm, Streckenplan, Sponsoren, Organisation