30. Dezember 2025
Neff: «Ich fahre die Radquer-WM»

Sie ist Olympiasiegerin auf dem Mountainbike – und mischt diesen Winter plötzlich die Radquer-Szene auf. Jolanda Neff nutzt die CX-Saison als Lernfeld, sammelt UCI-Punkte in Belgien und sorgt mit einer Ankündigung für Aufsehen. Denn die Schweizerin macht klar: Sie fährt die Radquer-WM.

Interview: Christian Rocha ¦ Photo: photopress.be

Was hat dich dazu bewogen in diesem Winter einen grösseren CX-Block einzubauen?

Jolanda Neff: Da der MTB-Weltcup erst im Mai startet nächstes Jahr, war es der ideale Winter, um Cross zu fahren. Es ist eine tolle Motivation im Winter und gibt mir eine gute Challenge.

Was erhoffst du dir konkret von diesen Radquerrennen?

Ich kann viel lernen – im taktischen, technischen und physischen Bereich.

Beim ersten WC-Rennen in Namur wurdest du starke Fünfte. Würdest du dir mehr so coupierte, MTB-ähnliche Kurse wünschen?

Natürlich ist es für mich besonders toll, wenn Abfahrten und Aufstiege in einer Querstrecke drin sind. Das kommt mir als Bikerin logischerweise entgegen. Jedoch finde ich es genial, dass jede Strecke so anders ist: Mal mit Sand, mal schnell, mal hügelig. Und ich kann überall etwas lernen – wohl sogar noch mehr, wenn mir die Strecke nicht auf den Leib geschnitten ist.

Deine Einsätze finden alle in Belgien statt. Wären von Mitte Dezember bis zu SM auch UCI-Rennen in der Schweiz gewesen, hättest du diese auch eingebaut?

Um mit den besten Fahrerinnen der Welt zu fahren, musst du nach Belgien gehen. Dort ist das Niveau am höchsten, die Strecken top und dort lernst du am meisten. Deshalb hätte Querrennen Rennen in der Schweiz in meiner Planung keine entscheidende Rolle gespielt.

Die Schweizer Radquerfans dürfen sich aber auf deinen Start an der SM in Schneisingen freuen, oder?

Ja. Die SM in Schneisingen werde ich fahren.

Mit welcher Erwartung wirst du antreten?

Ich fahre die SM in erster Linie um einige UCI-Punkte zu gewinnen, die mir zu einem besseren Startplatz bei weiteren internationalen Querrennen verhelfen würden. Im Vergleich zu belgischen Rennen wird das Starterfeld an der SM viel kleiner sein, daher erwarte ich ein gutes Rennen ohne Startkomplikationen.

Bedeutet der Fokus auf UCI-Punkte, dass die Querabstecher nach der SM noch nicht zu Ende sein wird?

Nein. Ganz und gar nicht. Ich werde die WM fahren.

Wow! Deine WM-Teilnahme ist eine Überraschung und für den Schweizer Radquersport tolle News. Kannst du heute bereits über eine konkrete Zielsetzung für die Weltmeisterschaften im niederländischen Hulst sprechen?

Ich möchte in Hulst ein gutes Rennen fahren. Nach Gesprächen mit einigen Leuten ist mir klar, dass ich dort eine technisch anspruchsvolle Strecke erwarten darf. Selber war ich noch nie dort und ich freue mich sehr darauf, den Parcours kennen zu lernen. Meine letzte Quer-WM in Bogense liegt sieben Jahre zurück und ich freue mich, nochmals eine Quer-WM erleben zu dürfen.

Hast du dir schon einmal Gedanken gemacht, was wäre, wenn CX olympisch würde (die Gerüchte darüber halten sich ja hartnäckig)?

Für den Radquersport wäre es hervorragend, wenn er olympisch werden würde. Es ist ein wahrer Wintersport, der im Sommer so nie ausgeübt wird. Das würde eine riesige Fanbasis ansprechen, die im Sommer Strassenrennen oder Bikerennen verfolgt. Ich bin sicher, der Wettkampf wäre ein Highlight der Winterspiele. Er würde ausserdem grossartige Verbesserungen in vielen Ländern nach sich ziehen – gerade in der Schweiz: die staatliche Unterstützung und Fördermassnahmen würden beitragen zu mehr Jugendförderung im Radquer, mehr Wettkämpfen, Trainingslagern, einer breiteren Basis und einem höheren Niveau. Für die Schweiz und viele weitere Länder, wäre das eine grossartige Aufwertung.

Wäre für dich ein möglicher CX-Start bei Winterolympia 2030 ein Thema?

Wie Lucinda Brand momentan zeigt, ist 36 Jahre das perfekte Alter, um Querrennen zu gewinnen. Folglich könnte Olympia 2030 für mich nicht besser gelegen kommen (lacht).

International bestreiten aktuell kaum Schweizerinnen und Schweizer Weltcuprennen. Wo siehst du die Gründe?

Vielleicht haben sie zu kalt (lacht)! Um ehrlich zu sein, ich weiss es nicht. Mir persönlich macht es sehr viel Spass, ich geniesse die Atmosphäre an den Rennen und die Herausforderung. Oft fehlen wohl auch die Unterstützung und das Verständnis der Teams. Glücklicherweise habe ich grossartigen Support von meinem Team cannondale, das voll und ganz hinter der Sache steht.

Alle Infos zur SM Schneisingen