Interview Christia Rocha ¦ Photos: zvg
Schaust du bereits auf die Wetterprognosen im Hinblick auf die SM am kommenden Sonntag in Schneisingen?
Kevin Kuhn: Ich schaue generell immer viel auf den Wetterbericht. Es sieht nach Schnee aus (lacht).
Welche Bedingungen würdest du dir wünschen?
Ich bin offen für alle Bedingungen. Ich hatte dieses Jahr leider wenige Schlammrennen. Doch ich kann auch gut mit einer weissen Unterlage leben.
Du strebst am Sonntag deinen vierten SM-Titel in der Elitekategorie an. So klar wie dieses Jahr war die Favoritenrolle auf deinen Schultern aber noch nie, oder?
Ich bin der Topfavorit am Sonntag – aufgrund der Resultate während der Saison. Doch ich habe in den letzten Jahren gelernt, dass es immer wieder Fahrer gibt, die sich speziell auf die SM vorbereiten. Zumal ich über die Weihnachtstage viele Rennen gefahren bin, wird es sicher ein spannendes Rennen geben. Nichts ist klar, bevor es nicht ausgefahren wurde.
Neben Loris Rouiller, der diese Saison mit starken Rückproblemen, zu kämpfen hatte, und Lars Sommer bist du der einziger Schweizer Radquerfahrer, der voll auf die Disziplin Radquer setzt und seinen Kalender auf die internationalen Rennen ausrichtet? Wieso wurdest du in den letzten Jahren zu einem «Einzelgänger»?
Was die genauen Gründe sind, ist schwierig zu sagen. Doch ohne starke Unterstützung eines Teams ist es sehr anspruchsvoll, eine ganze Radquersaison bestreiten zu können. Es ist ein grosser Aufwand, viel Material und viel Reiserei. Ich würde mir wünschen, dass es mehr Schweizer Querfahrer gibt. Hoffentlich ändert sich das wieder in den kommenden Jahren.
Am Swiss Cyclocross Cup sind in diesem Jahr Rekorde bei den Zahlen der Teilnehmenden aufgestellt worden. Was braucht es, dass diese «Erfolge» auch den Weg bis in die Elitekategorien gehen?
In meinem Fall spielte die EKZ CrossTour als U17-, U19- und U23-Fahrer eine wichtige Rolle. Wir hatten viele ausgezeichnete Rennen, mit starker internationaler Besetzung. Das machte es mir als junger Fahrer sehr viel einfacher. Der Swiss Cyclocross Cup entwickelt sich sehr gut. Ich hoffe, dass einige junge Fahrer einen ähnlichen Weg wie ich damals einschlagen können und so das Interesse Radquerfahrer zu sein, wieder grösser wird.
Grundsätzlich: Was fehlt dem Schweizer Radquersport? Was würdest du dir für grundlegende Sachen wünschen?
Es fehlt uns eine gute Breite mit einem guten Level, um miteinander zu fighten. Es ist schwierig für U19- und U23-Fahrer den Übertritt aus der Schule oder der Lehre und daneben noch den Radquersport zu betreiben. Auch die geringe Unterstützung des Verbandes, zum Beispiel ohne die Möglichkeit für Spitzensport-RS, ohne Unterstützung der Sporthilfe: Das macht es nicht einfacher und Radquer dadurch auch unattraktiv.
Am Sonntag bist du der grosse Favorit, der erfahrenste Schweizer Radquerfahrer. Da du meist in Belgien fährst, bist du jedoch noch nie in Schneisingen gestartet. Was weisst du von der Strecke?
Ich weiss nicht viel über die Strecke ausser ein paar Bilder. Aber die Bedingungen, wie wir sie am Sonntag vorfinden werden, gab es beim traditionellen Oktoberrennen bisher sowieso noch nie.
Wie wichtig ist für dich der Titel, damit du international bessere Verträge mit Teams und Veranstalter bekommst?
Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass ein SM-Titel leider nicht mega wichtig ist. Ich dachte lange Zeit, dass dies anders ist. Aber meine Erfahrungen haben gezeigt: der Titel zählt bei Verhandlungen für Startverträge heute nicht mehr viel. Aber es ist trotzdem cool, mit dem SM-Trikot am Start zu stehen und dadurch einen höheren Wiedererkennungswert zu haben.
Seit den U19-Schweizer-Meisterschaftem 2015 bist du an der SM jedes Jahr auf dem Podest gestanden. 5 Titel, 3-mal Silber und 3-mal Bronze. Eine grossartige Serie! Alles andere als die sechste Goldmedaille wäre eine riesige Enttäuschung, oder?
Ich würde das nicht als grosse Enttäuschung empfinden. Aber natürlich habe ich den Anspruch, ein gutes Rennen zu zeigen und den Titel zu gewinnen. Es würde aber keine Welt untergehen, sollte ich den Titel verpassen. Denn es kommen noch weitere wichtige Rennen, bis und mit WM Ende Januar in Holland.